b krisp
23. April 2020

[ Apr 2020 ]

menschen mit einschlägigen vorerkrankungen sind durch covid19 also besonders gefährdet – das haben wir verstanden. die als lifestyle, komfort, lebenszeitökonomisierung und damit -optimierung launig forcierte virtualisierung unserer menschlichen existenz ist hingegen eine überall willkommene globale pandemie unvorstellbaren ausmaßes, eine art gesamtgesellschaftliche vorerkrankung, die nun in der selbstisolation – freiwillig oder angeordnet – ihre „tödliche“ vollendung findet. hat das jemand verstanden?

mit dieser gesamtgesellschaftlichen vorerkrankung ist der mensch durch die covid19-bedingte quarantäne besonders gefährdet: gefährdet, in dieser zugespitzten situation durch die nun brachial forcierte entwöhnung von der analogen welt draußen vor der haustür ebendiese, nolens volens, als immer weniger bedenkenswert, ja immer weniger erstrebenswert wahrzunehmen.

22. April 2020

[ Apr 2020 ]
liebe leute, liebe interessierte menschen!
ich hoffe sehr, ihr kommt alle soweit halbwegs zurecht mit dem aktuellen mist. es tut mir wahrlich schrecklich leid, derzeit keine konzerte spielen zu können. wir müssen da alle irgendwie durch. mir gehen aber auch viel zu viele schwerwiegende fragen durch den kopf, die derzeit ein locker-flockiges onlineisieren jeglicher meiner kunst beinahe verunmöglichen.

als beispiel lasst mich festhalten, warum mir etwa der begriff „social distancing“ so sauer aufstößt:

weil mit dem begriff – so man den ansagen glauben darf – eigentlich lediglich „physical distancing“ gemeint ist: man solle sich also räumlich von anderen fernhalten. als wäre das psychologisch nicht gesamtgesellschaftlich folgenschwer genug, insinuiert jedoch das omnipräsent getrommelte „social distancing“ natürlich auch – beabsichtigt oder nicht – tatsächlich auch eine soziale distanz, d.h. eine selbstgerechte gleichgültigkeit, die auf diese weise droht, zum neuen leitmotiv einer besonders aufpasserischen gesellschaft zu werden. der begriff „auf andere zugehen“, der ja im eigentlichen wortsinne eine räumliche annäherung zwischen menschen beschreibt, bedeutet im übertragenen sinne nicht umsonst die soziale interaktion schlechthin: indem ich auf einen menschen zugehe, nehme ich ihn wahr, seine verfasstheit, seine emotion, sein bedürfnis. mit dem akt des aufeinander-zu-gehens bekennt jeder einzelne von uns, dass wir auch den anderen als menschen begreifen und als solchen anerkennen. diese ursprünglichste regung sozialen instinkts wird von der parole „social distancing“ bereits schwerwiegend inkriminiert. ihren urhebern unterstelle ich dabei gar keine düstere absicht, was aber die sache nicht besser macht. das menschliche gehirn verarbeitet erwiesenermaßen am besten kurze, prägnante botschaften. daher laufen zum gegenwärtigen zeitpunkt die menschen – durch angst und verzweiflung emotional gefügig weil haltsuchend – hochgradig gefahr, dauerhaft abzuspeichern: „soziale distanz = gut“.
ich frage mich: wird nach diesem corona-fiebertraumtheater auch in vergleichbarem ausmaß die rücknahme, die klare verneinung dieser ekelhaften parole getrommelt werden? oder überdauert die maxime des rückzugs auf sich selbst als ethischer superlativ – im multimedial forcierten zeitalter der ich-AGs und me-myself-bubbles – nicht doch bei weitem die zeit der corona-krise?

22. Februar 2019

mah – na geh! das sterben kleiner geschäfte beklag. (staubsaugerbeutel nachhause liefern lass.)

mah – also wirklich! das zusperren gemütlicher lokale bewein. (wan-tan nachhause liefern lass.)

echt – soo schade! das zusperren der letzten ältesten kinos bedauer. (zuhause ohne ende netflix.)

mah – soo schön! die beseeltheit nach dem leibhaftigen treffen mit dem besten freund spür. (am nächsten tag wieder 89 nachrichten auf 4 kanälen schreib.)

was soll das? ich arbeite hart, ich will mir kein schlechtes gewissen machen lassen.

echte betroffenheit =/= folkloristisches lamento.

12. Februar 2017

(C) Bernhard Krisper

it’s new, but
it’s not a trend. it’s a necessity.
(if you care, of course.)
April 13th, 2017, B.K.